Der Kontakt mit einem Esel ist eine Begegnung ohne große Worte und Erklärungen…

 

 

Woher kommt der Begriff „Asinotherapie“?

Der Begriff „Asinotherapie“ wird zusammengesetzt aus dem lateinischen Wort „asinus“ (=Esel) und dem griechischen Wort „therapeia“ (=heilendes Begleiten)

 

Therapie beruht auf einer direkten oder indirekten Einwirkung des Therapeuten auf den Patienten. (…) Ein wichtiger Teil der meisten Therapien ist die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient (…) (Wikipedia)

 

Was ist Asinotherapie?

Die Asinotherapie (oder auch Asino-Médiation genannt) ist eine Form der tiergestützten Therapie, bei der der Esel als Begleittier oder als Médiateur (= Vermittler) in einen entwicklungsfördernden, pädagogischen oder therapeutischen Prozess eingebunden wird, um im Vorfeld festgelegte Ziele für den oder die Klienten zu erreichen.

 

Sich auf ein Vertrauensverhältnis mit einem Tier einlassen, gibt dem Klienten ein Vertrauen welches sich auf seine zwischenmenschlichen Beziehungen übertragen lässt.

 

Auf dem Eselhaff bieten wir diese spezielle Therapieform, neben der besser bekannten Hippotherapie, an. Ein Esel als therapeutischer Vermittler bietet, aufgrund seines Charakters, seines Körperbaus, seines ethologischen Verhaltens und seiner Symbolik,  sehr interessante Möglichkeiten im Rahmen einer therapeutischen Begleitung an. Wird die Hippotherapie in den meisten Fällen als krankengymnastische Übungen auf dem Pferd praktiziert, setzt die Asinotherapie schon weit früher an: bei der Kommunikation.

 

Für wen kommt die Asinotherapie in Frage?

Asinotherapie eignet sich besonders bei folgenden Indikationen:

  • Konzentrationsstörungen
  • fein- und grobmotorischen Defiziten
  • mangelnde Impuls- und Affektkontrolle
  • eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit, zum Beispiel durch Suchterkrankung
  • allgemeine Stabilisierung und Steigerung des Selbstwertes
  • gestörtes Bindungsverhalten, Kontaktschwierigkeiten

 

Im Allgemeinen ist Asinotherapie sowohl für Erwachsene, wie auch für Kinder geeignet.

 

Der Einsatz des Esels und somit die Suche nach Kommunikation mit ihm kann uns:

-         stimulieren aktiv zu werden

-         positive Gefühle (zurück)geben

-         der Isolation die Stirn bieten

-         unser Selbst in Frage stellen

-         uns Vertrauen (zurück)geben

-         unsere Gefühle stimulieren

-         uns konfrontieren mit uns selbst

 

Wer sind die Klienten des Eselhaff?

Zurzeit betreuen wir ausschließlich über die CI  (Commission d'Inclusion Scolaire)  im 15. Direktorat (Wiltz) Kinder, manchmal zusammen mit deren Eltern, die Probleme im sozialen Bereich, Konzentrationsmangel, Hyperaktivität, Lernschwierigkeiten sowie mangelndes Selbstwertgefühl haben.

 

Warum Esel als therapeutische Begleiter?

Der Esel ist ein überaus intelligentes Tier welches über das, was es macht oder was wir von ihm verlangen, nachdenkt. Nimmt ein Esel eine „Gefahr“, eine Inkohärenz, wahr, drückt er dies auf seine eigene Art aus – meistens durch Blockade. Blockiert ein Esel, ist es unmöglich ihn weiterzubewegen. Solange dieser Zweifel bei ihm besteht, wird er sich nicht einen Millimeter weiter bewegen. Dieses Verhalten wird im Allgemeinen als Starrsinn ,  Sturheit oder Dummheit bezeichnet. Kein anderes Tier wurde je so vom Menschen missverstanden wie ein Esel. Höchste Zeit also, mit diesen falschen Vorurteilen zu brechen!

 

Esel ordnen sich nicht unter. Anders als das Pferd, das nach einer strengen hierarchischen Platzordnung funktionniert, ist die Hierarchie in einer Eselherde nicht so deutlich ausgeprägt. Esel können zu fünft einträchtig aus ein und demselben Hafereimer fressen. Bei Pferden würde sich das Ranghöchste erst selber bedienen und dieses Privileg mit flinken Hufen verteidigen bevor es das Zweithöchste an den Futtereimer heranlässt (falls noch etwas übrig sein sollte...). Im Umgang mit dem Menschen muss dieser unbedingt eine ranghöhere Position einnehmen als das Pferd. Nur dann fühlt sich das Pferd sicher und gehorcht "seinem Menschen" blind. Ist ein Mensch im Umgang mit dem Pferd ängstlich und eher hilflos, spürt das Pferd dies sofort und übernimmt selber die ranghöhere Position, trifft selber Entscheidungen und das sind nicht unbedingt die selben wie die seines Menschen. Eine ranghöhere Position einnehmen bedeutet nicht zwangsläufig Gewalt anzuwenden! Eine sehr deutliche Körpersprache, schnelle Reaktionen und Konsequenz sind die Schlüsselworte im Umgang des Menschen mit einem Pferd. Er muss die Position der Leitstute einnehmen wenn er nicht will dass das Pferd diese einnimmt. Beim Umgang mit einem Esel stellen sich solche Diskussionen nicht. Er sieht in anderen Lebewesen gleichwertige Partner und sucht eher nach freundschaftlichen Kontakten als nach Führungsqualitäten.

 

Pferde kommen ursprünglich aus Steppengebieten. Zum Überleben flüchten sie bei Gefahr.  Im Klartext bedeutet dies dass die gesamte Herde der Leitstute bei der Flucht blind folgt. Esel dagegen kommen aus bergigem Gelände. Hier ist kopflose Flucht lebensgefährlich. Ein Esel muss bei Gefahr also genau abwägen,  ob sich eine Flucht lohnt. Er ist, obwohl er in losem Herdenverband lebt, ein eigenständiges Individuum das sich nicht einer Leitstute unterordnet.

 

Anders als beim Pferd, können wir einen Esel nicht zwingen etwas zu tun was er nicht tun will. Genau dieser Charakterzug ist es, den wir in uns in der therapeutischen Arbeit zunutze machen:

Wir müssen also einen anderen Weg finden, ihn zu überzeugen das zu tun was wir von ihm möchten. Um mit dem Esel kommunizieren zu können, müssen wir in unseren eigenen Ressourcen, in unserer Beziehungsfähigkeit, schöpfen. Andere Wege finden, eine andere Haltung ausprobieren, über unsere eigenen Reaktionen nachdenken – in anderen Worten: empathiefähig werden um verstehen zu können. Wir müssen Vertrauen anwenden (ein Esel braucht das Vertrauen zu seinem Partner!) also Selbstvertrauen aufbauen damit der andere uns vertrauen kann. Freundschaftliches Auftreten ist ein wertvoller Trumpf um diese Schwierigkeiten überwinden zu können.

 

Der Esel unterscheidet sich vom Pferd auch in vielerlei anderen Hinsichten: er ist im Allgemeinen kleiner und ruhiger und bietet von daher ängstlicheren Klienten mehr Sicherheit im Umgang und im Ausdruck von Gefühlen. Ein Esel genießt diese, fordert sie durch seine großen, sanften Augen und sein plüschiges Fell heraus. Ein Esel ist also weniger beeindruckend als ein Pferd, aber auch weniger schnell beeindruckt! Durch sein Nachdenken ist er intelligenter als ein Pferd und sein natürliches Phlegma artet nicht in kopflosem Galopp aus. „Un cheval se dresse – un âne s’éduque“ heißt es nicht zu Unrecht. Seine Ruhe und Vertraulichkeit stellen sehr schnell gefühlsmäßige Bindungen zwischen ihm und dem Klienten her. Verhaltensauffällige Kinder finden im Kontakt mit dem Esel eine ausgeglichene Stärke, an der sie wachsen können.

 

Auch der symbolische Aspekt ist nicht zu unterschätzen in der Annäherung des Klienten auf das Tier. Beim Reiten auf einem Pferd empfinden wir Stolz. Wir können auf „die anderen“ herabsehen bzw. diese sehen zu uns hinauf. Ganz anders stellt sich das Reiten auf einem Esel dar. Stolz empfinden wir hier nicht. Aber wir fühlen uns gestärkt, unterstützt durch diesen wunderbaren Gefährten der uns hilft auf unserem Weg voranzukommen.

 

Esel haben eine extrem beruhigende Ausstrahlung. Selbst nervöse, aufgedrehte Menschen sind innerhalb kürzester Zeit absolut ruhig und ausgeglichen.

Sind wir doch ehrlich - brauchen wir nicht alle ein Quentchen Ruhe und Gelassenheit in der heutigen, hektischen Zeit? Esel haben davon jede Menge und wir können alle viel von ihnen lernen...

Ein Video über die Asinerie de l'O in Habay (B) -->siehe: Links
Mardi, le 29 janvier 2008, la Une a passé une séquence de quelques minutes sur l'asinerie de l'O dans l'émission "Au quotidien"
Asinerie_LaUne_29-01-2008(2).avi
Video Datei 6.0 MB

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Esel sind nicht störrischer als Pferde, sie geben dir nur mehr Zeit zu überlegen was du falsch gemacht hast...

Logo créé par Mim Hofferlin
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